Stopp Meeting

Start Seeding!

Vier Tipps für „Seedings“

Zahllosen Besprechungen finden in Organisationen statt. Bieten sie wirklich einen guten Nährboden für exzellenten Gedankenaustausch und neue Lösungen?

Nährboden für Neues

Genau auf dieses unternehmensrelevante Thema wurden meine Gedanken gelenkt, als ich auf meinem Weg zum Wald an einem hügeligen, herrlichen Feld vorbei kam. Im Spätsommer steht der Mais hier meterhoch. Dieses Jahr jedoch wiegen sich dort junge sattgrüne Weizenhalme im Frühlingswind. Nun also Weizen!

Nach der Maisernte im Oktober brachliegende Erde. Die oberste Erdschicht versiegelt im Winter den lehmig schweren Boden. Im März dann der Pflug, der die verkrustete Oberfläche aufbricht: Unter der Oberfläche die frische Erde, die auf die aufgeworfenen Erdschollen krümelt. Das Luft-Wasser-Verhältnis wird verbessert und Pflanzenrückstände unter das feine Netzwerk an Organismen gemischt. Leben quillt hervor und am Himmel kreisen Vögel hinter dem Pflug, um einen Wurm zu ergattern. Dann erst wird gesät. Diesmal Weizensamen.

Mit Meetings Unternehmen verändern

So wie das Bestellen des Feldes neue Verbindungen herstellt und für Nährstoffzufuhr der Oberkrume sorgt, können Besprechungen, die die Oberfläche durchbrechen, Organisationen Kraft geben und Neues hervor bringen. Sie können sogar Organisationen grundlegend verändern.

Als ich einem Kunden vorschlug, die Art der Zusammenarbeit in seinen Besprechungen variantenreicher zu gestalten und mehr Freiheit für die Themenwahl und Art des Gedankenaustausches zu bieten, erntete ich zunächst Unverständnis. War doch bislang ein gutes Meeting eines, in dem eine von langer Hand geplante Agenda sorgfältig an einem langen Konferenztisch abgearbeitet wurde, an dem die Leitung sich zentral positioniert und Mitarbeiter sich hierarchisch entsprechend platzieren. Dabei ist Zuhören von den allermeisten weit aus mehr gefordert als sich Gedanken zu machen und aktiv einzubringen. Aber am Ende kann niemand sagen, nicht im Bilde zu sein oder seine Bedenken nicht geäußert haben zu können. Stopp Meeting – Start Seeding.

Es lohnt die Überlegung, wie in Besprechungen – ob nun Kick-off Veranstaltung, das Montagsmeeting oder Aufsichtsratssitzungen – eine „bessere Verfügbarkeit von Nährstoffen“, mehr innovative Energie sichergestellt wird.

Kriterien für radikal andere Besprechungen

Sorgen Sie in Besprechungen für Zeit, Themen zu reflektieren: Wissen und Erfahrung aller sollten gehört, dann vernetzt und verdichtet werden, damit schließlich ein tragfähiger Konsens gewonnen werden kann. Statt vordergründig Relevantes beisteuern in die Tiefe vordringen.

Prüfen Sie die unterschiedlichen Interessen, ihre Ursachen, Ziele und sorgen Sie für Settings, in denen alles offen angesprochen werden kann und verschiedene Perspektiven zu einem besseren Ergebnis führen können.

Vier Tipps für „Seedings“:

1. Unterscheidung von  AM- und IM-System

Gewöhnlich werden Meetings dafür genutzt, an operativen Fragen des Alltags zu arbeiten: das Arbeiten „Im System“.  -> Unterscheiden Sie „Am-System“ bzw. „Im-System“- Themen. Denn es braucht unterschiedliche Besprechungsformate. Bei „Am-System-Fragen“ werden Arbeitsweisen oder Denk- und Verhaltensmuster reflektiert oder geeignete Strukturen und Abläufe erkundet. Sie stehen selten auf der Agenda oder werden aus Zeitgründen einfach übersprungen. Das blockiert und Entscheidungen haben weniger Substanz. Darunter leidet effizientes Arbeiten, denn operative Im-System-Themen könnten oft viel schneller abgearbeitet werden! -> Zur bewussten Unterscheidung der zwei Aspekte ist es wichtig, den Blick für das woran gearbeitet wird zu schärfen. Denn sonst fließen Am-System-Fragen eher subtil in Besprechungen ein: Man verliert das Team und alles geht noch langsamer.

2. Neue Haltung

-> Verabschieden Sie den Glauben, dass Reflexion, das Nachdenken über das eigene Denken und Handeln, Zeit- und Geldverschwendung ist, währen „kurz reden, zügig entscheiden und dann handeln“ Managerqualität zeigt.

-> Verabschieden Sie sich auch davon, dass Sie alles wissen müssen; lernen Sie vielmehr in jeden einzelnen aus Ihrem Team zu vertrauen und dass alle gemeinsam eine bessere Lösung finden, als jeder bzw. jede einzelne.

3. Der Kreis – Das Prinzip der Gleichheit

-> Finden Sie sich im Kreis zusammen. Die gleichberechtigte Position aller weckt Verantwortung; jeder könnte ein  „Leader“ für die Themen der Agenda sein und Lösungen auf Augenhöhe sind gewünscht. Der Kreis, so ungemütlich er für die meisten am Anfang erscheint, hat mich nie enttäuscht. Richtig genutzt, verbreitet diese uralte Versammlungsform eine magische Wirkung und bringt das Wesentliche Zutage. Und richtig genutzt sollte er dringend Einzug aus den Workshops (sofern er hier überhaupt schon Einzug gefunden hat) in Besprechungen finden.

4. Der Einstieg – Vertrauensaufbau und Präsenz

Von Anfang an sollte der Sinn der Besprechung allen klar sein. Es sollte ein Einstieg gewählt werden, der eine persönliche Verbindung zum Thema und absolute Präsenz aller hergestellt und Raum für Emotionen gibt. Jedes Wort und alles Tun entscheidet dabei, ob die Teilnehmenden in das Prinzip der Augenhöhe vertrauen, sich also öffnen und voll einbringen.

Start Seeding Workshop

Dank der Erfahrung mit „Circle“ und vor allem „Genuine Contact™“ können Sie ein variantenreiches über Jahre bewährtes Vorgehen lernen:

Weitere Workshops am Dieksee

Damit Sie von vielen Praxisbeispielen und dem wunderschönen Dieksee profitieren können!

Und kommen Sie doch einmal mit auf einen Spaziergang in den Wald!

Birgit Rocholl